Guter Rap kann auch aus Thüringen kommen. Das möchte Newcomer-Rapper „kickpunchpow“ aus Jena mit seiner Musik beweisen. Um sich vollkommen auf seinen neuen Lebensweg konzentrieren zu können, hat er seinen Lehrerjob kurz vor Berufseinstieg aufgegeben. Diese Veränderung beschreibt er in seinem Song „BLACKOUT“, der Ende März erschien. Wann ihm klar wurde, dass Musik wichtiger ist, wie sein Umfeld seine Musik prägt und was seinen Sound ausmacht, erzählt er im Interview.
Du standest kurz vor dem Berufseinstieg als Lehrer, aber hast deinen Job aufgegeben, um Rapper zu werden. Gab es einen bestimmten Moment, in dem dir klar wurde, dass die Musik wichtiger ist?
Ja, tatsächlich gab es den. Letztes Jahr habe ich mit meinem guten Freund „The New Asuka“ den Song „Fake Idol“ rausgebracht. Kurz vor dem Release-Wochenende war noch richtig viel zu tun, gleichzeitig lief mein Berufsalltag ganz normal weiter. Da wurde mir klar: Das ist gerade das Nadelöhr – beides zusammen funktioniert nicht und ich muss mich entscheiden. Ich wollte das bestmögliche Produkt rausbringen und in dieser Woche merkte ich, dass ich das so parallel, wie ich mir das vorstellte, nicht hinbekomme.
Deutschlands erstes „D-Pop-Idol“ kommt aus Jena – The New Asuka
Also war das eher ein spontaner Entschluss oder ein längerer Prozess?
Spontan war das nicht. In mir haben immer zwei Herzen geschlagen – das eine, was den „normalen“ Weg gehen wollte und das andere, das immer für die Musik gebrannt hat. Über ein halbes Jahr hinweg hatte ich schon das Gefühl, dass es schwierig wird, beides unter einen Hut zu bringen. Ich wollte alles geben, das richtig machen und auch komplett präsent sein – nicht nur halbherzig und nebenbei. In der Release-Woche merkte ich, das klappt leider nicht parallel zu meinem Beruf.
Wie hat dein Umfeld darauf reagiert?
Ganz unterschiedlich. Ich habe das Glück, dass ich viele Freunde und Verwandte habe, die das befürworteten und sagten „Okay, geh deinen Weg. Hauptsache, dir geht’s es gut und du machst die Sachen, auf die du Lust hast und die dir Spaß machen“. Natürlich gab es auch ein bisschen Sorge. Ich musste Mama und Papa erstmal ein bisschen beruhigen und sagen, dass ich auf mich aufpasse und das finanziell hinkriege.
Ich habe hier in Jena ein gutes Umfeld aus Leuten, die an mich glauben und mir meinen Rücken stärken. Deshalb waren die Reaktionen zum Glück zum größten Teil positiv.
Bereust du die Entscheidung manchmal oder bist du total happy mit deinem neuen Weg?
Ich habe gerade so viele Ideen und so viel Tatendrang, mich in Richtung Musik zu verwirklichen, nach vorne zu kommen und der Welt zu zeigen, dass es sehr vielseitige und facettenreiche Musik auch aus Thüringen gibt – dass ich noch keinen Gedanken daran verschwendet habe. Tatsächlich mag ich die Arbeit mit Kindern sehr und habe meine Schüler über die Zeit natürlich liebgewonnen. Das vermisse ich an der Schule manchmal, aber bereut habe ich meine Entscheidung noch nicht. Ich bin happy.
Gab es Herausforderungen beim Umstieg?
Oh ja. Die größte Herausforderung war, mein Leben komplett umzustrukturieren. Musik allein finanziert mich noch nicht. Ich muss mir natürlich nebenbei trotzdem noch einen Job suchen. Ich wollte mich auch nicht aus meiner Verantwortung einfach rausziehen und sagen „Ich bin jetzt hier weg, guckt mal, wie ihr das macht“. Ich wollte meine Klassen bestmöglich übergeben und wissen, dass sie in guten Händen sind. Diese Umorganisation war die größte Herausforderung.
Sich zu finden und eine Struktur um sich herum aufzubauen dauert. Bis Ende Dezember bin ich noch Lehrer gewesen, also zog sich das alles auch ein Stückchen. Es war ein Prozess und keine Sache, die wie eine Bombe explodierte und dann sofort eine Veränderung mit sich brachte.
Wenn ich meiner Oma erklären müsste, wie deine Musik klingt und was deine Texte ausmachen. Was sollte ich ihr sagen?
(Lacht) Du kannst sagen: Da ist ein junger Mann aus Jena, der rappt viel – manchmal mit Anglizismen, oft mit viel Energie, aber immer mit einer Message, die man nachvollziehen kann, wenn man auf den Text achtet. Über meinen Musikerkollegen „The New Asuka“ bin ich stark von K-Pop inspiriert, aber auch von klassischem Rap und aktuellen Sounds. Ich will nicht streng in einer Genre-Grenze denken. Ich glaube, meiner Oma würde ich einfach sagen, ich mache Sprechgesang (lacht).
In deiner neuen Single BLACKOUT geht es um Veränderung. Wie sehr spiegelt der Song deine persönliche Entwicklung wider?
Zu hundert Prozent. Der Song ist genau in dieser Umschwungs-Phase entstanden. Ich habe mir das ganze Thema ausgesucht, weil Blackout erstmal etwas Negatives ist – alles auf null, alles kaputt macht. Aber es kann auch nur Neues entstehen, wenn Platz dafür ist. Der Song bringt auf den Punkt, was ich im letzten halben Jahr gefühlt habe. Alles zurückfahren, um neu darauf aufbauen zu können, das spiegelt sich in Text und Sound des Songs wider.
Deine Entscheidung, dich vollkommen der Musik zu widmen ist ein großer Schritt. Hast du einen Ratschlag für Menschen, die vielleicht vor einer ähnlichen Entscheidung stehen?
Wenn man sich fragt, ob das, was man gerade macht, so richtig ist oder nicht, dann sollte man sich Zeit nehmen, um herauszufinden was man wirklich machen möchte. Man darf nie einfach nur einem Luftschloss hinterherjagen und alles andere sofort aufgeben. Das muss gut überlegt sein. Eine Sache, die ich wirklich jedem sagen kann, ist: Gib deinen Traum nicht auf, egal wie viel es dafür braucht.
Ich denke, es hat noch nie geschadet, sich selbst zu verwirklichen. Das ist immer mit einer Menge Arbeit verbunden und immer mit viel Blut, Schweiß und manchmal auch Tränen. Am Ende des Tages kann man aber auf das Geschaffte zurückblicken und stolz auf sich sein.
Hard Facts:
- The New Asuka und kickpunchpow in Jena:
- 9. Mai, Frühlingsmarkt, 18:30 Uhr
- The New Asuka und kickpunchpow in Erfurt:
- 17. Mai, Comicpark
- Instagram: @kickpunchpow_
