Machen wir uns nichts vor: Clubkultur ist längst ein fester Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen. Und weil das in den 2000ern genauso galt wie heute, sprechen wir hier eben von Menschen zwischen 18 und 50 Jahren. So viel zur Altersfrage. Mal Klartext: Es geht hier nicht um Ausgrenzung. Niemand soll diskriminiert werden. Es geht schlicht um eine gegenwärtige, empirisch wahrnehmbare Realität – die sich morgen schon wieder ändern kann.
Clubkultur trifft Leidenschaft: Neuer Sound für Eisenach
Was aber bleibt, ist das „Kultur“ in „Clubkultur“. Und zu übersehen, dass es kreative und künstlerisch begabte Menschen sind, die einen nüchternen Raum in einen Ort der Begegnung und des musischen Erlebens verwandeln, wäre bei einem Club genauso fehl am Platz, wie bei jedem Theater oder Museum.
Veranstalter:innen formen Eisenachs Musikszene neu
Trotzdem: Leicht haben es Clubbetreibende nicht. Davon kann der Betreiber des „Spitz Clubroom“ in Eisenach ein Lied singen. Laut Manuel „Mane“ Tippach hat es die Clubszene gerade schwer. „Viele Gagen gehen durch die Decke und meist sieht man nur noch Großveranstaltungen. Kleine Clubs können sich das oft nicht leisten. Aber die Leute geben ihr Geld nur noch für Highlights aus.“ Diese Entwicklung macht es manchmal schwierig, bei der Kuration von Veranstaltungen die richtige Balance zu finden, so der Clubbetreiber. „Klappt auch bei uns mal mehr und mal weniger gut.“

Der Clubroom Eisenach will die Wartburgstadt zurück auf die Technoparty-Landkarte bringen. Foto: Crome Productions
Volle Bude und überregionale Aufmerksamkeit
Doch Butter bei die Fische: Im Frühjahr 2022 eröffnete der Clubroom und seither hat das Team rund um Betreiber Manuel Tippach ordentlich für Aufsehen gesorgt. Mit ihrem Booking setzen sie ein deutliches Ausrufezeichen. Klaudia Galwas, Paracek, Somewhen und Nicolas Julian sind nur einige der namhaften Künstler:innen, die in den vergangenen Wochen nicht nur für eine volle Bude sorgten, sondern auch für überregionale Aufmerksamkeit.
Pulsierendes Zentrum der Musik- und Technokultur
Aber was steckt eigentlich hinter diesem jungen Kulturort in Eisenach? Laut Mane soll der Clubroom zu einem pulsierenden Zentrum der Musik- und Technokultur heranwachsen: „Während ein bedeutender Teil unseres Programms der elektronischen Musik gewidmet ist, bieten wir aber auch eine Vielzahl anderer Musikrichtungen an. Unser Ziel ist es, eine Plattform für unterschiedliche Musik und Künstler:innen zu schaffen“, so der Clubchef.
Der Mainfloor ist das Herzstück
Seit den 90ern ist die Adresse in der Adam-Opel-Straße in Eisenach als Club bekannt – wenn auch unter anderem Namen und mit anderem Look. „Deshalb war es wichtig, die Räumlichkeiten so umzubauen, dass es nicht mehr an die Vorgängerclubs erinnert“, erklärt Manuel im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Mainfloor ist eigentlich das Herzstück des Clubrooms und besticht durch einen satten Sound und eine LED-Decke.“ Auch der Gartenbereich lädt mit Foodtruck und Bar zum Verweilen ein.
Dass die Traditionsadresse wieder mit Leben gefüllt wurde, passierte laut Clubroom-Chef Anfang 2022 eher zufällig. „Zum damaligen Zeitpunkt wollten wir eine Veranstaltung eigentlich in einer anderen Location durchführen. Dort kam es jedoch mit der Betreiberin zu einem Zerwürfnis und wir suchten eine neue Location.“
Neues Leben im Spitz Clubroom
Wie es der Zufall wollte, war die Adresse in der Adam-Opel-Straße gerade frei. Nach kurzer Besichtigung war klar: Das ist der neue Spot. „Die erste Party war für unsere Verhältnisse natürlich etwas chaotisch, aber wir sahen das Potenzial und konnten uns mit dem Vermieter einigen.“
Neuer Fokus auf Sound, Licht und Atmosphäre in Eisenach
Es folgten Umbauarbeiten und erste Partys. Zum Glück stand ab Mitte Mai bis Ende September 2022 die Sommerpause an – so konnte weiter gewerkelt werden. „So setzten wir die Garderobe um und in den Eingangsbereich kam eine Bar. Die Lounge kann zu einem zweiten Floor umgestaltet werden und ab Sommer ’25 vermieten wir auch Räumlichkeiten für kleine Feiern“, sagt Manuel Tippach. Ihm ist wichtig, dass sich die Gäste im Clubroom wohlfühlen.

Holz, schwarze Decken und Wände, gepaart mit einem Hauch Industrial-Look und einem ausgefeilten Sound- und Lichtsystem – so entsteht laut Clubbetreiber eine zeitgemäße Location. Foto: Crome Productions
„Aus diesem Grund haben wir sehr viel Holz verbaut, was ein warmes Gefühl vermittelt.“ Der Clubroom soll eben nicht wie ein kalter Betonbunker wirken. Holz, schwarze Decken und Wände, gepaart mit einem Hauch Industrial-Look und einem ausgefeilten Sound- und Lichtsystem – so entsteht laut Clubbetreiber eine zeitgemäße Location. Und er verrät auch, was den Clubroom mit dem früheren „Spitz“ verbindet: Einer der neuen Betreiber war Teil der alten Spitz-Crew. „Am Stadtweg 10 in Eisenach/Stregda begann quasi alles … nur jetzt ist es clubbiger als damals, daher auch der Name ‚Spitz Clubroom‘“, erklärt Manuel.
Technobeats und Tekk-Events prägen Eisenachs Clubleben
„Clubbiger“ heißt in diesem Fall: klarer Fokus auf elektronische Musik. Denn im Techno finden sich die größten Schnittmengen des Clubroom-Teams, das sich beim Booking gern regionale Partner mit ins Boot holt. So übernimmt das Kollektiv „Hell Kartell“ die Tekk-Veranstaltungen in Eisenach. „Und da reden wir auch nicht rein, weil da einfach genug Erfahrung vorhanden ist. Die meisten Veranstaltungen sind auch im Vorfeld ausverkauft“, sagt der Clubchef.
Der Clubroom bringt Künstler:innen, Kollektive und Gäste zusammen
„Faster Culture“ nennt sich ein weiteres DJ-Kollektiv, das sich auf die derzeit angesagten Genres Hardtechno und Hardtrance spezialisiert hat. Neu mit dabei: „Oh Yes“-Events, die 2000er-Partys im Clubroom auf die Beine stellen. „Den Rest an kommerziellen Musikveranstaltungen decken wir als Spitz Clubroom selbst ab. Früher haben wir alles selbst gemacht, aber über die Jahre haben wir einfach starke Partner an unserer Seite und wir bündeln so die Kräfte“, erklärt Mane.
Thüringen: „SonneMondSterne“-Festival mit neuer musikalischer Ausrichtung
Das Team blickt optimistisch nach vorn – überzeugt davon, dass es überall Orte für alternative Kultur braucht. „Aufgrund der Act-Auswahl besuchen uns oft Menschen aus Hessen, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wir versuchen immer, unser Bestes zu geben und den Gästen einen schönen Abend zu bescheren. Halt ein richtiges Cluberlebnis mit tollen Acts sowie fetter Sound- und Lichtanlage“, sagt Manuel Tippach. Und er macht auch klar, was er sich für die Zukunft des Spitz Clubroom wünscht: „Dass wir weiter motiviert bleiben, immer wieder neue Highlights für die Region und die Stadt bieten. Dass die Events gut besucht bleiben und dass wir in der Sommerpause zu unseren Open-Airs in Eisenach gutes Wetter haben …“
Hard Facts:
- Clubroom Eisenach:
- Adam-Opel-Straße 3a
- Nächster Termin: 30. April
- Mehr Infos bei Instagram: @spitz_clubroom
