Text: Dirk Petermann
Wer im Osten Thüringens elektronische Musik liebt, kommt am Vogue 2.0 kaum vorbei. Die klubähnliche Lounge im Kinogebäude von Rudolstadt hat sich in den letzten vier Jahren zu einem festen Treffpunkt für House- und Techno-Fans aus der Region entwickelt. Anders als in anonymen Großklubs setzt Betreiber Marcus Klatt auf eine überschaubare, persönliche Atmosphäre – eine Mischung aus Cocktailbar und Szene-Treff.
Marcus Klatt gestaltet Club als kreatives Kunstwerk
Dabei gestaltet er sein zweistöckiges Lokal wie ein persönliches Kunstwerk. Überall sind kleine, versteckte Hommagen an die Szene und seine eigenen Erfahrungen eingearbeitet. Nur er selbst kenne die ganzen Details, wie er verrät. Doch aufmerksame Beobachter würden sicher das Ein oder Andere entdecken.
Vom „En Vogue“ zum „Vogue 2.0“
Die Geschichte des Vogue 2.0 begann vor Jahren. Klatt betrieb früher die Bar „En Vogue“, nur wenige hundert Meter vom heutigen Standort entfernt. „Nach der Corona-Zeit bot sich die Chance, im alten Kino eine neue Bar mit mehr Platz zu eröffnen. Viele kannten mich noch unter dem alten Namen“, erzählt Klatt. „Warum sollte man etwas, das gut funktioniert hat, nicht wiederbeleben?“

Das Vogue 2.0 befindet sich im Gebäudekomplex des Rudolstädter Kinos. Bereits am Nachmittag warten die ersten Gäste auf die Öffnung der Lounge. Foto: Dirk Petermann
So entstand das Vogue 2.0 – modern, persönlich, bewusst improvisiert. Innerhalb weniger Wochen wurde die Entscheidung getroffen, zu eröffnen. Zwar war vieles noch unfertig, doch der Andrang am ersten Abend sei überwältigend, erinnert sich der gelernte Koch.
Rudolstadts Vogue 2.0 begeistert Gäste
Die langjährige Verbindung zu seinem Vorgänger Achim Möller habe Klatt geholfen, den Standort zu sichern und die Bar-Lounge aufzubauen. Heute läuft der Betrieb in seiner vierten Wintersaison. Geöffnet wird von Herbst bis Frühling. „Von Donnerstag bis Samstag ab 18 Uhr bieten wir Cocktails, kleine Gerichte und regelmäßig wechselnde DJ-Events“, fasst es der Volksmannsdorfer zusammen.
„Wohnzimmerpartys“ im Kino
Der Raum im Kino ist überschaubar, und genau das ist gewollt. Klatt spricht gern von „Wohnzimmerpartys“. „Wir mögen die persönliche Atmosphäre“, sagt er. Das Publikum sei bunt gemischt. Gäste aus Rudolstadt, aber auch aus Jena, Erfurt, Gotha, Weimar und sogar Berlin kämen regelmäßig.

Diskotrio: An der Decke des Vogue 2.0 drehen sich gleich drei Kugeln, um die Tanzfläche zum Strahlen zu bringen. Foto: Dirk Petermann
Besonders bemerkenswert sei die Altersstruktur. Menschen zwischen 20 und über 60 Jahren feierten gemeinsam, oft ganze Familien. „Hier kann die Mutter mit ihrer Tochter tanzen, ohne dass es komisch wirkt“, sagt Klatt. Entscheidend sei nur die gemeinsame Liebe zur Musik.
Wechselnde DJ-Events und überraschende Highlights
Musikalisch bewegt sich das Vogue 2.0 vor allem zwischen House, Techno und elektronischer Clubmusik. Zahlreiche Szenegrößen standen bereits hinter den Decks, darunter Markus Kafka, bekannt aus MTV-Zeiten, die bekannte Nachwuchs-DJane Karla Blum oder der Frankfurter DJ Karotte.
Bühne für lokale Talente
Besonders wichtig sind Klatt auch lokale Talente. DJs aus Thüringen und Sachsen bekommen regelmäßig eine Bühne, wie etwa Robert Fritz Meinecke aus Görlitz, der schon bei der Opening-Party auflegte, sich inzwischen zum Publikumsliebling entwickelte und dafür kürzlich einen Award erhielt. Auch Nachwuchskünstler wie Kim Nobel, Brother Incognito oder Sven Lehmann werden bewusst gefördert.

Vor den Augen des Betreibers Marcus Klatt bekommt DJ Robert Fritz Meinecke aus Görlitz von Jenny den Preis des Publikumslieblings im Rudolstädter Vogue 2.0 überreicht. Foto: Dirk Petermann
Die Veranstaltungen reichen von kleinen Partys mit limitierter Gästezahl bis zu größeren Events. Für die Closing-Party im kommenden April konnte Klatt die Berliner Szene-DJs Lexy & K-Paul verpflichten. „Die Nachfrage war so groß, dass die Veranstaltung ausnahmsweise in eine größere Location nach Bad Blankenburg verlegt wurde“, sagt Klatt. Bereits Wochen vorab seien die Tickets größtenteils ausverkauft gewesen.
Musik prägt sein Leben und seine Arbeit
Hinter dem Tresen ist Klatt meist als aktiver Gastgeber, weniger als Discjockey, zu finden. Musik begleite ihn jedoch den ganzen Tag. „Stille ist für mich schwer auszuhalten. Musik transportiert Energie und Freude. Ohne Musik kann ich mir mein Leben nicht vorstellen“, erzählt er. Auch persönliche Lieblingskünstler wie die Band Linkin Park oder Alligatoah prägen sein Leben und seine Arbeit.
„Sven Väth ist für mich eine echte Szene-Ikone.“
Seine persönliche Musikaffinität spiegelt sich in der Auswahl der DJs und Events wider. Auch die klassischen Acts wie WestBam, der in Kürze in Erfurt auftreten wird, gehören zu seinen musikalischen Inspirationsquellen. „Sven Väth ist für mich eine echte Szene-Ikone. Auch wenn (s)ein Auftritt bei uns unrealistisch ist, würde ich ihn gern einmal persönlich treffen“, schmunzelt der 43-Jährige.

Der Betreiber des Vogue 2.0, Marcus Klatt, steht auch selbst hinter der Bar und mixt tagsüber Cocktails. Der Club im Kino Rudolstadt verwandelt sich am Wocheneden zur Szeneadresse in Thüringen. Foto: Dirk Petermann
Marcus Klatt selbst ist eng mit Thüringen verbunden. Geboren 1982, aufgewachsen auf der Saalfelder Höhe, bezeichnet er sich als klassisches „Dorfkind“. Nach Stationen in Österreich, in der Gastronomie und im Eventmanagement kam er nach Jahren zurück nach Rudolstadt.
Gäste gestalten das eigene Club-Erlebnis
Durch verschiedene Ausbildungen im Gastro-Bereich würde heute ein breiter Erfahrungsschatz in sein Wirken einfließen. Dabei bezieht er auch seine Kunden mit ein. „Gäste können eigene Cocktails vorschlagen“, bemerkt er. Manche Drinks würden dann nach Stammgästen benannt, etwa der „Janssen Spezial“, mit dem es eine Frau Janssen in die Karte schaffte.
Starker Wandel der Thüringer Klubkultur
Über die letzten drei Jahrzehnte hat Klatt die regionale Szene aktiv miterlebt. Früher seien die Wochenenden voller spontaner Partys gewesen, in Scheunen, auf Wiesen oder in kleinen Klubs – ohne Social Media, nur über Flyer oder Mundpropaganda. „Jede Hütte war voll. Heute sind die Veranstaltungen seltener, dafür stärker organisiert. Vorverkauf und Auflagen nehmen zu“, kritisiert er.

Der Preis des Publikumslieblings vom Rudolstädter Vogue 2.0 wird im Jahr 2026 das erste Mal vergeben. Der Geschäftsführer Marcus Klatt zeigt den grafischen Entwurf auf seinem Smartphone. Foto: Dirk Petermann
Das Publikum sei bewusster geworden: weniger Alkohol, mehr alkoholfreie Cocktails, sogar Trends wie zeitweiser Smartphone-Verzicht fänden Anklang. Für Klatt ist das „Fluch und Segen zugleich“: Smartphones hielten Erinnerungen fest, könnten aber den Moment stören.
Klein, gemütlich, hochwertig
Für die kommenden Jahre beabsichtige der Klubbetreiber, das Grundkonzept fortzuführen: klein, gemütlich, hochwertig. Mehr Platz für Gäste, weniger Gedränge, weiterhin eine Bühne für regionale Talente und kleine Szenegrößen. „Es muss nicht immer riesig sein. Wenn es zu eng wird und der Schweiß wegen der Hitze von der Decke tropft, macht es keinen Spaß mehr.“
Und was passiert nach der Closing-Party?
Für Rudolstadt und Umgebung bedeutet das: Das Vogue 2.0 bleibt ein Ort, an dem Musik, Begegnung und regionale Clubkultur lebendig sind. Wer eintaucht, erlebt eine Mischung aus Wohnzimmer, Tanzfläche und Szene-Hub. Und wie wird sich der Geschäftsführer nach der Closing-Party beschäftigen? „Dann bin ich als mobiler Barkeeper unterwegs und bringe mich in der gesamten Region ein.“
Hard Facts:
- Was?: Closing-Party | 4. April mit Lexy und K-Paul
- Wo?: Stadthalle Bad Blankenburg | Bahnhofstr. 23 | 07422 Bad Blankenburg
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