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Gen-Z-Rave: Deutschlands mausigste DJ-Influencerin spielt in Thüringen

6. Oktober 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Charleen Herzig spielt im Clubroom Eisenach, der die Wartburgstadt zurück auf die Technoparty-Landkarte bringen will. Foto: Crome Productions/PR

Am DJ-Pult wird geballert, auf TikTok wird geschminkt: Die Rave-Szene der Gen Z bringt ihre eigenen DJ-Stars hervor. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Einer davon ist Charleen Herzig, die im Netz liebevoll als „mausigste“ DJ Deutschlands gehandelt wird. Gemeinsam mit DJ Dreckisch kommt sie am Samstag, 10. Oktober, zur Partyreihe AWAKE in den Clubroom Eisenach. Präsentiert wird der Abend von FASTER CULTURE. Auf dem Programm: Fast Techno, Bounce, Hard Trance und Rave-Classics.

Chaleen Herzig im Clubroom Eisenach

Charleen Herzig steht für eine Generation, die nicht nur hinter dem DJ-Pult, sondern auch vor der Handykamera zu Hause ist. Über TikTok und Instagram nimmt die DJ und Produzentin ihre Community mit in ihren Rave-Alltag: Festival-Outfits, Schminktipps, Upcycling und Einblicke in das Leben als aufstrebende Künstlerin gehören genauso dazu wie schnelle Beats. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Techno, Hard Techno und Bounce, mischt treibende Kicks mit Pop- und Rap-Vocals und setzt auf Y2K-Ästhetik. Ihre Single „Rosa Brille“ passt da schon vom Titel her ins Bild.

Kein klassisches Techno-Image

Dass Herzig als besonders „mausig“ gilt, liegt vor allem am Kontrast zum klassischen Techno-Image. Statt möglichst unnahbar und düster aufzutreten, gibt sie sich nahbar, bunt und herzlich. Dazu kommt ihr „Sober Life“-Ansatz: Auf ihren Kanälen wirbt sie dafür, Club- und Festivalkultur auch ohne Rauschmittel zu erleben. Harte Kicks und niedliche Vibes schließen sich für sie offenbar nicht aus.

Mit DJ Dreckisch trifft diese verspielte Ästhetik auf einen Sound, der weniger nach Wattebausch als nach Abrissbirne klingt. Der DJ und Produzent aus Wiesbaden verbindet Fast Techno, Hard Trance und Bounce mit nostalgischen Ohrwürmern, Pop- und Hip-Hop-Elementen sowie Samples mit Meme-Potenzial. Tracks wie „Barbie Boy“, „Blocks & Träume“ und „SINNER“ stehen für einen Stil, der harten Clubsound mit einer ordentlichen Portion Augenzwinkern kombiniert. Auftritte bei Festivals wie Nature One, HIVE Festival und Open Beatz sowie Sets im Kölner Bootshaus und im Frankfurter Zoom haben ihn über die Szene hinaus bekannt gemacht.

Was bedeutet es heute, DJ zu sein?

Doch hinter dem Line-up steckt auch eine größere Frage: Was bedeutet es heute eigentlich, DJ zu sein? Für viele junge Acts gehören Social Media und Musik inzwischen selbstverständlich zusammen. Ein kurzer Clip mit einem gelungenen Drop kann Tausende Menschen erreichen, lange bevor ein Set im Club überhaupt stattfindet. Künstlerinnen wie Herzig zeigen dabei nicht nur Musik, sondern auch Persönlichkeit – und schaffen so eine direkte Verbindung zu ihrem Publikum.

Techno-Szene ist skeptisch

In Teilen der traditionellen Techno-Szene sorgt diese Entwicklung allerdings für Skepsis. Kritiker befürchten, dass virale Momente und Followerzahlen wichtiger werden als musikalisches Handwerk, gute Übergänge und der Spannungsbogen eines langen Sets. Auch das Filmen auf der Tanzfläche steht im Widerspruch zu einer Clubkultur, die sich als Rückzugsort vom Alltag versteht. Gleichzeitig eröffnen soziale Medien neuen Acts Chancen, die früher stärker von Bookern, Labels und etablierten Szenestrukturen abhängig waren.

Die Frage ist also nicht unbedingt, ob TikTok-Techno den Underground verdrängt. Vielmehr treffen unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinander, wie Rave heute aussehen darf: abgeschotteter Kellerclub oder bunter Social-Media-Kosmos, kompromissloser Sound oder Pop-Ohrwurm mit Augenzwinkern. Platz für beides gibt es zumindest theoretisch genug.

Druckvoller Sound in Eisenach

In Eisenach dürfte sich am 10. Oktober zeigen, wie diese Mischung auf der Tanzfläche funktioniert. Wenn Herzigs „Mausigkeit“ auf Dreckischs druckvollen Sound trifft, geht es jedenfalls um mehr als den nächsten viralen Clip. Oder, wie es der Veranstalter formuliert: „Hier wird nicht höflich mit dem Kopf genickt … hier wird geraved und getanzt, bis die Schuhe aufgeben.“

Hard Facts:

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