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So verabschieden sich $oho Bani, young pepp und Kraftklub vom Highfield

17. August 2026 • Geschrieben von Florian Dobenecker
Etwa 28.000 Besucher feiern die Vorerst letzte Ausgabe des Highfield Festivals am Störmthaler See. Foto: Nadja Schütze

Glitzer im Gesicht, Sonnenbrillen auf der Nase, Bucket-Hats, bunte Klamotten und natürlich jede Menge Highfield-Merch: So sah der Festival-Sommer am Störmthaler See ein letztes mal aus. Dazu kam eine weniger freiwillige Accessoire-Schicht: Staub. Viel Staub. Wer beim letzten Highfield Festival am Wochenende dabei war, dürfte ihn wohl noch Tage später in jeder Körperritze finden.

So war das letzte Highfield Festival

28.000 Menschen besuchten die letzten Ausgabe, um unter dem Motto „One Last Dance“, um noch einmal gemeinsam Livemusik und Sommer zu feiern. Nach fast 30 Jahren ist damit die Geschichte eines der größten Open-Air-Festivals Ostdeutschlands zu Ende.

Abschied aber kein Trauerspiel

Wie die Veranstalter FKP Scorpio und Semmel Concerts mitteilen, fiel die Entscheidung zur Beendigung des Festivals vor allem wegen stark gestiegener Produktionskosten. Trotzdem sollte der Abschied kein Trauerspiel werden. Dafür sorgten die Bands – und vor allem ein Publikum, das sich dieses letzte Wochenende nicht nehmen lassen wollte.

Etwa 28.000 Besucher feiern die Vorerst letzte Ausgabe des Highfield Festivals am Störmthaler See. Foto: Nadja Schütze

Sondaschule brachte die Stimmung ziemlich genau auf den Punkt: „Wir feiern Highfield mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Aber wir wollen nicht trauern, wir wollen zelebrieren!“ Und genau das passierte. Zwischen SDP, Kraftklub, Beatsteaks, BHZ, 01099 und Marteria wurde noch einmal das musikalische Spektrum aufgefahren, für das das Highfield über Jahre stand. Auch Dropkick Murphys, Feine Sahne Fischfilet, Giant Rooks, Zartmann, ZSK, $OHO BANI und viele weitere Acts verabschiedeten sich von den Fans.

ZSK verabschieden sich vom Highfield punkiger

Bei ZSK klang der Abschied naturgemäß etwas punkiger. „Wir müssen, und das ist unsere Pflicht als Punks, dieses kommerzielle Festival leider verabschieden, weil es trotz allem nicht funktioniert“, sagte die Band auf der Bühne – und erinnerte gleichzeitig an die vielen guten Zeiten am See. Trotz Hitze und Abschiedsschmerz folgte die Aufforderung ans Publikum: „Wollt ihr ein letztes Mal mit uns singen?“

Kraftklub feierten ein letztes Mal Highfield

Auch Kraftklub machte aus dem Ende einen Moment des gemeinsamen Feierns. Die Chemnitzer kennen das Gefühl, ein Festival zu verlieren, schließlich aus eigener Erfahrung. Ihr „Kosmonaut-Festival“ gibt es ebenfalls nicht mehr. „Ich wünschte, wir hätten so etwas wie hier gehabt: Ein letztes Mal. Einen letzten Abschluss. Ein letztes Wochenende“, sagte Sänger Felix Kummer auf der Highfield-Bühne. Bei ihnen sei damals Corona dazwischengekommen. Deshalb die klare Ansage an die Menge: „Seid nicht traurig! Feiert noch ein letztes Mal das Highfield Festival!“

Marteria setzte ebenfalls auf Gemeinschaft. „Wir waren 2015 zum ersten Mal da. Und wir heulen jetzt nicht rum, wir feiern diesen Abschluss zusammen“, sagte er und forderte von der ersten bis zur letzten Reihe: „Alle Hände hoch, ich brauche euch, jeden einzelnen!“

„Das fuckt mich übertrieben ab“

Ganz andere Töne schlug $oho Bani an. Sein Auftritt wurde zum politischen Moment. „Ey, es nervt mich unfassbar, wie unsere Gesellschaft im Moment mit uns jungen Menschen umgeht“, sagte er und kritisierte Einsparungen bei Kindergeld, Universitäten und Schulen. Besonders deutlich wurde er beim Thema Krieg und der Erwartung an junge Menschen, für politische Entscheidungen einzustehen. Seine Botschaft vom Highfield aus formulierte er unmissverständlich: „Das fuckt mich übertrieben ab. Und vor allem, wenn dann auf der anderen Seite gesagt wird, geht mal kämpfen für uns, wenn‘s um irgendwelche Kriege geht. Und ich kann euch ganz ehrlich sagen Highfield, ich werde niemals für einen Politiker aus dem Sauerland kämpfen gehen.“

Ein klares Statement von yung pepp

Ein ähnlich politisches Statement sendete der Musiker yung pepp nach seinem neuen Song Laut sein (immer): „Ich bin 18 Jahre alt. Ich habe keinen Bock in einem Land zu leben, wo mit Hass und Hetze gearbeitet wird. Deswegen will ich hier einmal meine Bühne nutzen und sagen: Fick die AfD, Fick die CDU. Ich glaube, wir haben alle das Bedürfnis hier in Frieden mit Liebe zu leben und diese Parteien sind dafür leider nicht gemacht. Ausgrenzung, Hass, Hetze … darauf habe ich keinen Bock. Liebe ist stärker als Hass. Wir halten zusammen, wir lassen uns nicht unterkriegen. Danke Highfield!“

So wurde der letzte Tanz des Festivals zu mehr als einer Aneinanderreihung von Konzerten. Es war Rückblick, Abschied und gemeinsames Feiern zugleich. Neben dem bewährten Programm hatten die Veranstalter für die finale Ausgabe noch einmal neue Akzente gesetzt: ein neues Bühnenkonzept und den „Electric Beach“ mit eigener Stage und erweitertem EDM-Angebot.

Veranstalter verabschieden sich

„Es freut mich sehr, dass unsere Artists und Gäste noch ein letztes Mal eine großartige Zeit hatten“, sagte Stephan Thanscheidt vom Veranstalter FKP Scorpio. Gleichzeitig verwies er auf den hohen Kostendruck, unter dem Festivals und Konzerte heute stehen. Dieter Semmelmann von Semmel Concerts nannte das Ende nach 28 Jahren Festivalgeschichte, davon 15 Jahren am Störmthaler See, „ein ganz besonderes Kapitel“.

One Last Dance beim Highfield

Was bleibt, ist ein letztes Wochenende voller Musik, Staub, Glitzer und großer Gesten. Oder, um es mit Sondaschule zu sagen: kein Abschied zum Trauern, sondern einer zum Zelebrieren. One Last Dance – und dann ist Schluss am Störmthaler See.

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