Datenschutzeinstellungen

MilleniumKid vor Erfurt-Konzert: „Artists sind nicht für das Internet gemacht“

4. September 2026 • Geschrieben von Yannick Rau
Für MilleniumKid folgt auf die „Dystopie“ jetzt die „Schwerelosigkeit“. Foto: Can Wagener

Dunkelheit, Zweifel und der Kampf mit sich selbst: Aus diesen Gefühlen ist MilleniumKids Debütalbum „Dystopie“ entstanden. Inzwischen scheint sich bei dem Musiker jedoch etwas verändert zu haben. Denn seine aktuelle Tour – mit der er auch nach Erfurt kommt – trägt nicht ohne Grund den Namen „Schwerelos“. Für ihn stehen die beiden Titel für unterschiedliche Phasen in seinem musikalischen und persönlichen Werdegang.

MilleniumKid in Erfurt

„Dystopie“ war der Zustand, aus dem die Musik entstanden ist. Viel Dunkelheit, viel Zweifel, viel Kampf mit mir selbst.“ sagt MilleniumKid. „Schwerelos“ ist eher das Gefühl danach: dass man loslassen kann, dass man sich freier bewegt. Der Name der Tour sei deshalb bewusst gewählt. Er habe das Gefühl, musikalisch und persönlich gerade in eine leichtere Phase zu kommen.

Wenn aus einem Gefühl Musik wird

Bei der Erstellung eines Songs beginnt die Arbeit oft lediglich mit einem Gefühl oder einem Beat. Wohin sich der Song genau entwickelt, steht dabei längst nicht immer von Anfang an fest. MilleniumKid erklärt hierbei, dass die Richtung sich erst während es Produzierens entwickelt. „Manchmal startet etwas als ruhige Synthie-Nummer und wird beim Arbeiten plötzlich viel percussiver.“

Für MilleniumKid steht „Schwerelos“ für Loslassen und persönliche Veränderung. Foto: Can Wagener

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern folgt keinem festen Schema. Statt wochenlang gemeinsam im Studio zu sitzen, kann der Ausgangspunkt viel unscheinbarer sein: „Oft ist es nachts eine Sprachnachricht mit einer Idee, die dann tagelang hin- und hergeschickt wird, bis ein Song draus wird.“ Gerade diese ungeplanten Einfälle scheinen für MilleniumKid besonders wichtig zu sein. „Die spontanen Momente sind oft die ehrlichsten.“

Wenn schwere Gedanken auf die Bühne treffen

Ein besonderer Gegensatz entsteht für ihn auf der Bühne. Seine Texte schreibt MilleniumKid häufig aus sehr persönlichen und teilweise schweren Situationen heraus. Live treffen diese Gedanken dann auf Menschen, die dazu tanzen, mitsingen und feiern.

Wenn Melancholie auf Euphorie trifft

„Das ist für mich der schönste Widerspruch an Live-Musik“, sagt er. Anfangs sei es ungewohnt gewesen, tausend Menschen dabei zu beobachten, wie sie zu seinen persönlichen Gedanken tanzen. Mittlerweile sieht er darin das „größte Kompliment“. Denn seine Geschichte bleibt in diesem Moment nicht mehr nur seine eigene: „Die Leute nehmen sich meine Geschichte und machen etwas Eigenes, Befreiendes daraus.“

Deutlich kritischer blickt MilleniumKid auf eine andere Seite des Musikerlebens: die permanente Präsenz im Internet. Auf die Frage nach dem Druck, auf Plattformen wie TikTok und Spotify ständig neuen Content zu liefern, findet er klare Worte. „Das Schlimmste, was ein Fan von seinem Artist erwarten kann, ist, dass der Artist ein Influencer wird, nur um die Bildschirmzeit eines Fans aufzuwerten.“ Für ihn steht fest: „Artists sind nicht für das Internet gemacht.“

Wenn Bekanntheit nicht das große Ziel ist

Auch beim Blick in die Zukunft geht es ihm weniger um den nächsten großen Karriereschritt. „Der nächste große Schritt wäre, dass die Welt versteht, dass ich kein Entertainer bin, sondern eine kaputte suchende Seele.“ Die Bekanntheit habe zwar ihre eigene Romantik, trotzdem zieht er eine andere vor: „Ich durfte die Romantik der Bekanntheit schmecken und bleibe dann doch lieber in meiner eigenen einsamen Romantik.“

Hard Facts

  • Wann: Sonntag, 6. September 2026, 18:30 Uhr
  • Wo: Zughafen – Halle 6, Zum Güterbahnhof 20, 99085 Erfurt
  • Tickets: ab 35,90 Euro (Stehplatz; ggf. zzgl. Versandkosten)

Mehr Cooltur-News:

Image
Image
Image