Thüringer schreibt eigenes Musical: Barbarossa rockt Sondershausen
Wenn am Samstag, 29. August 2026, auf dem Marktplatz in Sondershausen die ersten Klänge zum Rock-Musical „Barbarossa – Aufbruch nach Jerusalem“ erklingen, dann ist Gerald Michael Fähnrich am Ziel. Der Weg, den er dafür zurücklegen musste, ist so spannend, dass man daraus fast ein eigenes Musical schreiben könnte.
Wie die Idee zum Barbarossa-Musical entstand
„Die Idee zu einem Barbarossa-Musical entstand im Sommer 2008, als wir mit dem Jugendprojekt ‘Hagazussen‘ bei einem Mittelalterfest auf Burg Hohnstein aufgetreten sind“, erzählt Gerald Michael Fähnrich im Gespräch mit t.akt. „Die Idee kam mir einfach so und die ersten Lieder dazu fielen mir auch gleich ein.“
Geschichten schreiben und sie inszenieren sind zwei ganz verschiedene Dinge
Die Lieder und die Texte zu schreiben, fiel ihm nicht schwer, sagt der Autor und verweist ganz nebenbei darauf, dass er auch schon mehrere Bücher geschrieben hat, darunter drei Romane. Im Herbst soll nun sein fünftes Buch erscheinen.

Doch Geschichten schreiben und sie auf einer großen Bühne aufführen sind zwei völlig verschiedene Sachen. Das sollte Gerald Michael Fähnrich noch schmerzhaft lernen.Zunächst ging er die Sache vorsichtig an, studierte die selbst geschriebenen Stücke mit einem Jugendchor ein und startete erste „Test-Ballons“ mit der Band of Barbarossa: 2015 ein Auftritt in der Barbarossahöhle und bis 2018 weitere Auftritte auf der Burgruine Hohnstein in Neustadt am Harz, dem Rolandsfest in Nordhausen und dem Schlossfest in Heringen.
Erste Auftritte in der Barbarossahöhle und auf Burg Hohnstein
Die Resonanz war durchweg positiv. „Vor allem die Lieder ‚Ex Oriente‘ und ‚Mea Culpa‘ kamen beim Publikum richtig gut an“, erinnert sich Gerald Michael Fähnrich. „Alle waren begeistert, und die Sache schien Potenzial für mehr zu haben.“ Dann kam der große Rückschlag: Corona. Doch wer mit Gerald Michael Fähnrich spricht, merkt schnell: Dieser Mann lässt sich nicht so schnell entmutigen. Hier brennt jemand für seine Vision von einem großen Rock-Musical, und seine Begeisterung ist ansteckend.
100 Sänger und zwei Bands auf dem Marktplatz Sondershausen
An dieser Stelle sollte man sich aber mal die Dimensionen klar machen, um die es hier geht: Am 29. August werden auf dem Marktplatz in Sondershausen 100 Chorsängerinnen und -sänger des Chorverbandes Thüringen beziehungsweise des Projektes Thuringia Cantat unter Leitung von Prof. André Schmidt auftreten, flankiert von Fähnrichs Band of Barbarossa und der Mittelalterband Despunsépa. Dazu kommen zahlreiche Ritter und ihr Gefolge vom Verein der Königspfalz Tilleda, Corvos – die Raben, sowie von der Wilden Jagd Harz und weitere Mitwirkende. Man kann nur ahnen, wie viel Kraft und Energie es kostet, ein solches Heer an Recken und Rockern zusammenzuhalten und zu koordinieren – und vor allem über so einen langen Zeitraum für das Projekt zu begeistern.
Absage der Kulturstiftung: „Das war ein schwerer Schlag“
„Je konkreter es wird, desto kompakter werden die Aufgaben. Man muss schon sehr, sehr strukturiert arbeiten, um sich nicht aufzureiben“, sagt Fähnrich. Dazu muss er Logistik und Helfer koordinieren, die alles im Hintergrund zusammenhalten.
Und dann ist da noch das leidige Problem mit dem Geld, das so eine große Produktion kostet. Und beinahe wäre daran auch alles gescheitert. „Wir haben Fördermittel bei der Kulturstiftung des Landes Thüringen beantragt, und ich hatte das Gefühl, dass das auch hundertprozentig klappen würde. Doch dann erteilte man uns eine Absage, ohne erkennbaren Grund. Das war für mich ein schwerer Schlag. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Das war demotivierend ohne Ende“, sagt er. Und man merkt ihm die Enttäuschung immer noch an.
Aufgeben war keine Option
Seine Familie und sein Freundeskreis gaben ihm Stück für Stück seinen Mut und sein Selbstvertrauen zurück – nicht zuletzt mit dem Verweis darauf, was er bereits alles erreicht hatte und wie weit er gekommen war. „Aufgeben war wirklich keine gute Option“, sagt er und lächelt wieder. Ja, man musste Abstriche und Kompromisse machen, auf ein Höhenfeuerwerk genau so verzichten wie auf Ochsenkarren, Fuhrwagen und Pferde. Aber: Alles vergessen. Am 29. August ist endlich Premiere. „Weltpremiere“, wie es auf der Internetseite des Projektes heißt. „Und es wird nur diese eine Aufführung in diesem Jahr geben“, betont der Initiator.
Barbarossa, Kreuzzug und Kriegskritik: Darum geht es im Stück
Die Aufführung sei kindgerecht, betont er. Vor allem aber dürfte es bunt und spannend werden. Es geht um das Heerlager am Abend vor dem Aufbruch zum Dritten Kreuzzug, zu dem Kaiser Barbarossa mit seinem Sohn Konrad aufbricht. Es geht um Mut, Ideale und – wie man weiß – tragisches Scheitern. Denn beide Kreuzfahrer werden nicht lebend zurückkommen. Das Stück will und soll als Kritik an Kriegen aller Art verstanden werden – und doch eine mythische Zeit auferstehen lassen, in der Menschen um wichtige und richtige Entscheidungen gerungen haben. Klingt sehr aktuell – und ist „LIVE in Concert“ zu erleben am 29. August ab 17 Uhr auf dem Marktplatz in Sondershausen.
Hard Facts
- Rock-Musical „Barbarossa – Aufbruch nach Jerusalem“
- Wann: Samstag, 29. August 2016, ab 17 Uhr
- Wo: Marktplatz in Sondershausen
- Hier gibt es die Tickets.
- Weitere Informationen gibt es hier.
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