Mira Held ist Genuss-Expertin. Seit mehreren Jahren betreibt sie mit ihrem Partner Flo den Blog „How to Gourmet“ und futtert sich durch Restaurants in Thüringen. In ihrer regelmäßigen Kolumne nimmt sie uns mit auf ihre kulinarischen Abenteuer in Thüringen und gibt Inspirationen für den nächsten Leckerbissen, Wochenendschmaus oder die kleine Alltagsversüßung.
„Das Golfresort Weimarer Land ist der wahrscheinlich luxuriöseste Ort in Thüringen“
Schneeflocken sammeln sich in meinen Haaren, während ich im warmen Wasser des großzügigen Außenpools dümple und meinen Blick über die schneebedeckten Hügel des Weimarer Lands schweifen lasse. Das Golfresort Weimarer Land ist der wahrscheinlich luxuriöseste Ort in Thüringen und ich bin heute hier, um das in vollen Zügen zu genießen.
Das Ziel des Abends heißt Masters
Den Jahresbeginn in Style zelebrieren, so habe ich mir das gedacht: erst den Nachmittag über im Spa abhängen, den ein oder anderen Saunagang genießen und zwischendurch im Bademantel ein Stück Kuchen essen. Wenn ich mich dann so ausgiebig entspannt habe, dass ich hungrig werde, duschen, schick machen und mich durch die schier endlosen Weiten des Hotels zum Ziel des Abends bewegen: dem Restaurant „Masters”.
Für Foodies wie mich ist das Hotel ein exzellentes Ausflugsziel. Schon allein, weil sich zwei Restaurants mit Michelin Stern darin befinden. Letztes Jahr habe ich das italienisch angehauchte „The First“ von Küchenchef Marcello Fabbri ausprobiert, jetzt ist das eher an die klassische französische Küche angelehnte „Masters“ an der Reihe. Also spaziere ich an Marcellos luftigem Wintergarten vorbei, in dessen Mitte die offene Küche wie eine Bühne thront und biege einige Meter weiter in einen kleinen Gastraum mit nur vier Tischen ab. Hier kocht Küchenchef Danny Schwabe mit voller Geschmackspower seine ausladenden Menüs.
„Eine erstaunliche Vielfalt für ein Restaurant mit so wenigen Plätzen“
Das „Masters” hat nur 16 Plätze und dementsprechend intim ist die abendliche Erfahrung. Ich nehme auf einem der schweren Sessel Platz und schaue mich um: eine Fototapete in Bücherregaloptik, stilisierte silberne Geweihe an der gegenüberliegenden Wand, eine gelbe Sitzbank, gedimmte Beleuchtung, Vorhänge im Schottenkaro. Der Blick geht auf die heute verschneite, große Terrasse. Ein bisschen wie die Zigarrenlounge eines englischen Landhauses, die von einer Person mit Vorliebe für exzentrische Details aus Blumenläden eingerichtet wurde.
„Wie Ludwig der 14. schreite ich durch ein opulentes Menü“
Die Entscheidung, die ich noch treffen muss, besteht aus der Wahl zwischen vier, fünf oder sechs Gängen. Bei Vor- und Hauptgang sowie beim Dessert kann man außerdem aus je zwei Varianten wählen. Das ist eine erstaunliche Vielfalt für ein Restaurant mit so wenigen Plätzen, wenn man bedenkt, dass immer alle Optionen vorrätig und vorbereitet sein müssen. Zu zweit kann man mit etwas Absprache somit aber dennoch alles probieren.

Mira Held futtert sich durch Restaurants in Thüringen. Dieses Mal besucht sie das Masters in Blankenhain und versucht ihre innere Marie Antoinette zu channeln. Foto: Mira Held
Dann geht es los. Mit Champagner (wegen dem Gönnungsvorsatz für den Januar) und den ersten Amuse: Ein fragiles Trüffeltartelette, ein zu kunstvollen Höhen getürmter herzhafter Windbeutel, eine Hirschconsommé (die direkt zu einem meiner Highlights des Menüs wird), selbstgebackenes Gewürzbrot, Butter, gelbe Bete in einer großzügigen Portion Beurre Blanc. Bevor wir beim ersten offiziellen Gang angekommen sind, sind nicht nur eineinhalb Stunden vergangen, sondern ich bin eigentlich auch schon satt. Wer also die fragwürdige Angst hat, dass Sterneküche aus winzigen Portiönchen besteht, kann im Masters unbesorgt sein.
Gewürze werden üppig verwendet
Wie Ludwig der 14. schreite ich durch ein opulentes Menü, das vor Maßlosigkeit strotzt. Die Komponenten der einzelnen Gänge sind kaum zu zählen, die Gewürze werden üppig verwendet, oft schon an der Grenze des angenehmen. Safran? Man färbe die Soße sonnengelb! Kaviar? Rauf damit! Noch ein paar Tupfer von einer Soße oder ein Schwung von einem luftigen Schaum? Na klar! Der Salzgehalt der Speisen scheint so dosiert zu sein, dass mein Elektrolythaushalt nach dem exzessiven Saunieren am Nachmittag wieder in Ordnung gebracht werden soll.
„Ich versuche meine innere Marie Antoinette zu channeln“
Ich schnappe nach Luft, als ich das überraschend sanfte Sorbet aus weißem und gelbem Tee löffle, das vor dem Hauptgang meinem Gaumen eine wohlige Erfrischung bietet. Es ist ein Exzess, den ich hier in viereinhalb Stunden erlebe. Am Tisch nebenan lausche ich nach jedem Gang fast hysterischen Freudenausrufen. Ich versuche meine innere Marie Antoinette zu channeln, um mich auch von der gewaltigen Nachspeise aus Luftschokolade, weißem Schokoladencrunch, Pistazie, Vogelbeere und Arganöl nicht einschüchtern zu lassen.
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Ich möchte nichts auf meinem Teller liegen lassen, wo ich doch sehe, wie viel Arbeit in jedem Schaum, jedem Gel und jedem drapierten Blütenblatt steckt. Und doch zweifle ich an meinen Fähigkeiten als Gourmet, weil ich einfach so satt bin, dass ich mir die sechs (!) Petit Four zum Abschluss des Menüs einpacken lassen muss, weil ich einfach nicht mehr kann. Gönnung war das Motto meines Ausflugs. Gönnung habe ich bei Danny Schwabe bekommen.
Mehr zum Masters:
- Wo: Lindenallee 1 – 99444 Blankenhain
- Öffnungszeiten: Do – Mo ab 18 Uhr
- Mehr unter: www.restaurant-masters.de







