Gleichberechtigung geht uns alle an. Sie ist ein Menschenrecht – unabhängig von Geschlecht, Sexualität oder Hautfarbe. Und weil diese Botschaft noch längst nicht in allen Köpfen angekommen ist, widmet sich die Thüringer LSBTIQ*-Koordinierungsstelle im t.akt-Magazin regelmäßig in ihren „Queer-Blog“ Themen, für die sensibilisiert werden muss.
Ein Tag in Lila – Zeichen der Solidarität
Am letzten Freitag im August wird es lila: Der „Wear It Purple Day“ ruft dazu auf, sich solidarisch mit lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter*geschlechtlichen, nichtbinären und anderen queeren (LSBTIQ*) Kindern und Jugendlichen zu zeigen und auf Diskriminierung und Mobbing aufmerksam zu machen. An diesem Tag tragen queere Menschen und ihre Verbündeten lila Kleidungsstücke, um ein sichtbares Zeichen der Unterstützung zu setzen. Im Jahr 2025 fällt der „Wear It Purple Day“ auf den 29. August.
Anlass für Rückblick und Ausblick
Ein guter Anlass, um sowohl die Entstehungsgeschichte des Aktionstages als auch die Bedeutung von queeren Themen in Bildungseinrichtungen in den Blick zu nehmen.
Der Aktionstag wurde 2010 in Australien ins Leben gerufen, als Reaktion auf alarmierende Berichte über queere Jugendliche weltweit, die mit Ausgrenzung, psychischen Belastungen und Suizidgedanken zu kämpfen hatten. Besonders der Fall des 18-jährigen Tyler Clementi aus New Jersey erschütterte viele. Er nahm sich das Leben, nachdem er Opfer von Cybermobbing und einem unfreiwilligen Outing durch seinen Mitbewohner geworden war.
Ein Appell gegen Diskriminierung
Der „Wear It Purple Day“ möchte jungen queeren Menschen Hoffnung geben und ihnen zeigen: Du bist nicht allein. Du wirst gesehen, akzeptiert und unterstützt. Er ist ein Appell gegen Diskriminierung, ein Ausdruck von Solidarität und ein Mutmacher für junge LSBTIQ* Menschen, die sich in einem ablehnenden oder unsensiblen Umfeld wiederfinden.
Erfahrungen queerer Jugendlicher in Deutschland
Die Studie „Coming-out – und dann…?!?!“, die 2015 mit Förderung des Bundesfamilienministeriums durchgeführt wurde, erforschte erstmals die Erfahrungen von nicht-heterosexuellen und nicht cis-geschlechtlichen Jugendlichen in Deutschland. Von den über 5.000 befragten queeren Jugendlichen berichteten 44 Prozent, dass sie in der Vergangenheit Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität erfahren haben. 61 Prozent der Befragten hatten Angst vor Problemen im Bildungs- oder Arbeitsbereich durch ein Coming-Out.
Für Kinder und Jugendliche ist die Schule ein wichtiger Ort für soziale Interaktionen sowie die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Identität. Knapp zwei Drittel sind sich vor ihrem 16. Lebensjahr über ihre sexuelle Orientierung bewusst (Laut Coming-out Studie). Wichtige Phasen des Bewusstwerdens über die eigene geschlechtliche Identität und die sexuelle Orientierung fallen für viele queere junge Menschen demnach in ihre Schulzeit. Umso wichtiger ist es, dass sie in dieser sensiblen Phase Unterstützung und Verständnis erfahren.
Verantwortung von Bildungseinrichtungen
Damit tragen Bildungseinrichtungen und Lehrkräfte eine besondere Verantwortung. Sie können aktiv Räume schaffen, in denen queere Schüler*innen bestärkt und ermutigt werden und sich entfalten können. Eine offene, wertschätzende und inklusive Schulkultur ist deshalb unerlässlich. Sie stärkt nicht nur das Selbstwertgefühl und die psychische Gesundheit queerer Schüler*innen; sie vermittelt allen Kindern und Jugendlichen, dass Vielfalt etwas Positives ist, das geschützt und gefördert werden muss. Doch leider ist das längst nicht überall Realität.
Situation in Thüringen
Auch in Thüringen melden sich immer wieder mal queere Jugendliche, die mit Diskriminierung, sozialer Ausgrenzung und mangelnder Sichtbarkeit konfrontiert sind. Viele Jugendliche nutzen deswegen auch erst eine Veränderung im schulischen oder später beruflichen Kontext, um ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität erstmals offen zu leben und das unangemessene Interesse und potenzielle Erklärungsnot zu umgehen.
Der „Wear It Purple Day“ ist ein symbolischer Tag. Er soll auf Maßnahmen und Schritte aufmerksam machen, die getan werden müssen, um Diskriminierung abzubauen und den Alltag für queere Schüler*innen zu erleichtern. In vielen Ländern fehlen noch immer gesetzliche Grundlagen zum Schutz queerer Jugendlicher. Lehrpläne ignorieren oft sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.
Ein Weckruf für Bildung und Gesellschaft
Und auch im Alltag an Thüringer Bildungseinrichtungen sind Akzeptanz und Unterstützung längst nicht überall angekommen. Er ist ein Weckruf. Ein Impuls, aktiv zu werden: durch Gespräche, durch Bildungsarbeit, durch das sichtbare Eintreten für ein gerechteres Miteinander. Wir laden alle ein, ein Zeichen zu setzen: Queere Kinder und Jugendliche zu unterstützen und am 29. August lila tragen!
Anmerkung der Redaktion: LSBTIQ* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche, Intergeschlechtliche und Queere Menschen, wobei das Sternchen (*) Platz für weitere Identitäten lässt, die nicht in die klassischen Kategorien passen. Dem Rechnung zu tragen ist wichtig, weil es um Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und den Schutz vor Diskriminierung geht: Menschen sollen unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität sicher, respektiert und selbstbestimmt leben können.
Hard Facts:
- Datum: 29. August
- QueerWeg: www.queerweg.de | Instagram: @queerweg
- Queeres Zentrum: www.queeres-zentrum-erfurt.de I Insta: @queereszentrumef
- Zum Aktionstag: Wear It Purple Day!
