„Wir habens bald!“ – so lautet das Motto der letzten, vollgepackten Woche im MVZ Wagner. Das „MusikalischeVersorgungsZentrum“, so der volle Name, verabschiedet sich mit einem lauten Knall aus der alten Kinderklinik in der Kochstraße in Jena. Wie das Wagner-Team in den sozialen Medien mitteilt, steht ein intensives und emotionales Festivalfinale bevor, das die Zwischennutzung des alten Klinikareals gebührend beschließt – bevor es zurück an den angestammten Ort geht: ins traditionsreiche Café Wagner in der Wagnergasse 26.
Konzertfinale in Jena: MVZ bringt Klinik zum Beben
Das MVZ Wagner war eine temporäre Heimat für Konzerte, Kollektive und Kultur aller Art. 2023 wurde der alte Hörsaal der leerstehenden Klinik in monatelanger Arbeit zu einem alternativen Veranstaltungsort umgebaut – ein Kraftakt, getragen durch ehrenamtliches Engagement, Spenden und Crowdfunding. Seitdem diente der Saal samt Außenbereich nicht nur als Bühne für Konzerte und Lesungen, sondern auch als sozialer Treffpunkt für die Jenaer Kulturszene.
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Doch die Zwischennutzung ist zu Ende – und der Abschied wird ausgiebig zelebriert. Die Closing-Woche, die am 15. Juli startete, versammelt all jene Kollektive, Künstler:innen und Initiativen, die das MVZ in den letzten zwei Jahren mit Leben gefüllt haben. Ziel: „Mit einem lachenden und weinenden Auge wollen wir noch einmal alles aus unserem MVZ rausholen“, heißt es bei Instagram.
MVZ Wagner sagt leise Servus – und laut Lebewohl
Einen Tag später, am 18. Juli, geht es international weiter. Die schwedische Punkrock-Band „Death by Horse“ steht gemeinsam mit „Pennwood Rd“ aus Leipzig und den Weimarer Emopunks „Frachter“ auf der Bühne. Drei Bands, drei Soundrichtungen – und eine letzte Gelegenheit für Live-Musik im MVZ.
Ein letzter Rave: MVZ Wagner verabschiedet sich wild
Der große Höhepunkt folgt jedoch am Wochenende: Die „Closing Party Teil 2“ am Samstag, 19. Juli, verwandelt das Gelände in einen multigenen Rave mit zwei Floors. Von Techno über Trance bis Hits, Hits, Hits spannt sich das musikalische Spektrum – unter anderem mit Turboturnupturtle, Sarah Carbonara, Ponyhof by BÄNGER! oder Honeybadger. Ein letztes Mal vibrieren die Wände, ein letztes Mal tanzt Jena durch die Nacht in der Kochstraße.
Alles endet mit dem MVZ-Fernsehgarten. Ein wilder Sonntag voller schräger Ideen, ganz in Anlehnung an das ZDF-Vorbild – nur mit mehr Charme, mehr Ironie und deutlich mehr Sektfrühstück. „Der MVZ-Fernsehgarten öffnet am 20. Juli, von 10 bis 18 Uhr, für euch ein (erstes und) letztes Mal die Tore!“, kündigt das Wagner-Team an. Das Programm reicht von Bieryoga mit Mavie von Wolke 7 über ein Live-Hörspiel von „AktEins“ bis zum Kippendrehturnier mit Preisen.
Kulturtempel auf Zeit: MVZ Wagner in Jena sagt Tschüss
Die Thüringer Drag Queen „Angel van Hell“ lädt zur „Yapping-Session“, ein geheimnisvolles Rätselspiel wird enthüllt, und um 17 Uhr startet „Enorm in Form“ – Aerobic im Badeanzug. Dafür sei kein Können erforderlich. Wer danach noch nicht genug hat, kann beim allerletzten Tanz im MVZ mit Penelope, Carsten und Harmony den Abschluss feiern.
Das MVZ war ein Ort auf Zeit – doch das Café Wagner ist Heimat. Seit 1993 ist es ein Zentrum studentischer Kultur in Jena. Der Wagner e.V. organisiert dort basisdemokratisch Veranstaltungen, von Konzerten über Lesungen bis zu Ausstellungen. Während der Sanierung des Hauses zog das Team ins Exil – jetzt geht es zurück in die Wagnergasse.
FLINTA*, Punk und Sekt: Jena feiert das MVZ-Finale
Und der Start wird musikalisch: Am 23. Oktober eröffnet die Indie-Pop-Band „Havington“ die neue Spielzeit im Café Wagner. Das Trio aus Bremen verbindet Folk, Pop und Elektronik zu einem Soundtrack für träumerische Spätsommerabende. „Verspielte Gitarrenmelodien, analoge Synthie-Sounds, pulsierende Beats“, kündigt der Veranstalter an – ein passender Neuanfang nach zwei Jahren Exil.
In Jena endet ein Clubprojekt mit Sekt und Subkultur
Das MVZ Wagner war weit mehr als eine Notlösung – es war ein Labor, ein Freiraum, ein Experiment. Jetzt kehrt die Szene zurück ins Herz der Stadt. Doch der Geist des MVZ – divers, kreativ, unbequem – zieht mit ein. Abschied nehmen war selten so laut, bunt, liebevoll und voller Vorfreude. Oder wie das Wagner-Team es sagt: „Wir habens bald. Aber vorher drehen wir noch mal richtig auf“
