Thüringer Techno-Kollektiv verwandelt den Schneekopf in 3-D animierte Rave-Location
Es begann mit einer Schnapsidee und fünf Grad, Hagel und Wind. Am Samstag, 15. August, geht das „Hidden Places“-Open-Air auf dem Schneekopf in die nächste Runde – mit DJ-Star Marek Hemmann und einem Aussichtsturm, der zur Leinwand wird.
Hidden Places auf dem Schneekopf
Wie Marcel Florschütz vom Gleis3-Musik-Kollektiv aus Thüringen berichtet, war das Ganze ursprünglich gar nicht als Party gedacht. „Wir haben nur eine geile Location gesucht, um ein schönes Video aufzunehmen, für einen Stream auf Facebook und YouTube“, sagt er. Dann habe einer aus der Truppe gesagt: „Alter, das ist doch Quatsch, mit Leuten macht das viel mehr Sinn. Lass uns das öffentlich machen.“
Melodic Techno und ein Gipfel-Erlebnis
2024 stand die Crew also auf dem Gelände des ehemaligen Gästeheims des Ministerrates in Oberhof, einem echten Lost Place. Florschütz fährt dort täglich vorbei, ein Bekannter verwaltet das Grundstück mit – Zugang nur streng nach Vorschrift und Sicherheitsauflagen. Rund 300 Menschen feierten laut Veranstalter im Wald, bei Hagel, Regen, Wind, Sonne und fünf Grad. „Mich hat es schlicht umgehauen, dass bei diesen Bedingungen überhaupt Leute kamen“, sagt Florschütz.
Die Entscheidung, es überhaupt zu wagen, sei am Ende ganz simpel gefallen: „Entweder sitzen wir irgendwann mit 60 oder 70 da und sagen: Was für eine blöde Idee. Oder wir sagen: Geil, dass wir es gemacht haben.“ Aus dem Lost Place wurde der Name der Reihe. „Hidden Places, versteckte Plätze: Daraus kann eine Eventreihe werden, denn versteckte Plätze gibt es viele.“ Klassische Lost-Place-Partys will das Kollektiv ausdrücklich nicht veranstalten: zu gefährlich, oft auch schlicht nicht gewollt.
Hidden Places setzt in Thüringen auf Videomapping
Der Plan, jedes Jahr einen neuen Ort zu bespielen, scheiterte bislang an der Realität: Drei, vier Objekte hatte das Kollektiv in der Hand, keines war nutzbar oder durfte gemietet werden. Also wieder Schneekopf – zum zweiten Mal. „Ein Gipfel, große Fläche – geil“, fasst Florschütz zusammen. Eine gewisse Infrastruktur sei dort vorhanden, die Gastronomie nebenan hat ohnehin geöffnet.
Beim Schneekopf ist das besonders knifflig
Was im Ulbrichthaus mit 3-D-Animationen funktionierte – Besucher bekamen zu sehen, wie es dort vor Jahrzehnten mit Originalmöbeln aussah –, übernimmt am Schneekopf der Turm. Ein Profi bespielt ihn per Videomapping und stimmt es auf den Ort ab. „Er hat das Ding gemappt und richtig geil in Szene gesetzt“, sagt Florschütz. Beim Schneekopf ist das besonders knifflig: Der Turm ist schmal, Helligkeit und Projektionsfläche setzen Grenzen. „Da stecken wochenlange Vorbereitungen und Absprachen drin, was Sinn ergibt und was am Ende umsetzbar ist.“
Krass ist vor allem, was hinter den Kulissen läuft. Technik und Bühne übernimmt ein eingespieltes Team, den Rest das Kollektiv: Bar, Aufbau, Koordination, „vom kleinsten Schild bis zum eingeschlagenen Pfosten für die Lichterketten“, dazu Werbung, Social Media, Trailer. Und dann die Überraschungen: „Auf einmal heißt es: Wir brauchen eine eigene Wasserleitung, die muss gebaut werden.“ Stadt und Bauhof Oberhof hätten unterstützt.
Open-Air auf dem Schneekopf
Im Ulbrichthaus musste zuvor sogar der Hang gerodet und mit einem Bagger eine Fläche für einen regensicheren Pavillonbereich geebnet werden. Beschwerden? Drei, vier Wanderer hätten Bedenken vor dem ersten Open-Air auf dem Schneekopf geäußert, sagt der Veranstalter. Kein Feuer, kein Müll, Pfand auf alles, eine ebene Fläche statt Wiese – der Forst habe keine Einwände gehabt. Angemeldet und mit Anwohnern abgestimmt ist und war das Ganze ohnehin.
„Harten Techno haben wir nicht“
Musikalisch bleibt es melodisch: Melodic House, Melodic Techno, Progressive House, gelegentlich Indie Dance. Oder wie Marcel Florschütz sagt: „Harten Techno haben wir nicht, Disco-House auch nicht.“ Das Publikum reichte im Vorjahr von Mitte 20 bis 70. „Da haben Leute komplett durchgetanzt, von 18 Uhr bis nachts um eins“, erinnert sich der DJ. Ein älterer Besucher und Wanderer, der zufällig vorbei kam, habe berichtet: „Heute ist mal was anderes, das ist doch toll.“
Doch den stärksten Moment beim ersten Schneekopf-Rave kann er gar nicht wirklich auf eine Szene reduzieren: „Es war das Gesamtbild: dieser Sonnenuntergang, die Stimmung und dann diese tollen Lichtgeschichten hinein in die Dunkelheit.“ Genau darauf setzt das Kollektiv auch diesmal.
Live-Sundowner-Set mit Marek Hemmann
Am 15. August geht „Hidden Places“ nun in die nächste Runde. Von 16 Uhr bis Mitternacht soll der Schneekopf erneut zur Open-Air-Fläche werden. Als Headliner steht Marek Hemmann auf dem Programm, ein Thüringer DJ, der mit seinem eigenen Sound international bekannt geworden ist und am Schneekopf ein exklusives Live-Sundowner-Set spielen soll. Dazu eine einzigartige Location mit einer ganz besonderen Aussicht und atemberaubende Videoanimationen: Gut, dass es Schnapsideen gibt.
Hard Facts:
- Termin: 15. August
- Location: Schneekopf
- Beginn des Events: 16 Uhr
- Ende: 0 Uhr
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